Startseite Blog für Trailrunner - 2021 Blog für Trailrunner - 2020 Blog für Trailrunner - 2019/2
Blog für Trailrunner - 2019/2:



Themen:
Trailrunning: Altmühltal - Kipfenberg
Trailrunning: Wilder Kaiser 3
Trailrunning: Wilder Kaiser 2
Trailrunning: Wilder Kaiser 1
Trailrunning: Am Guffert
Trailrunning: Hinteres Sonnwendjoch
Trailrunning: Achensee-Umrundung - oben


Allgemein:
Über mich
Impressum
Sitemap


Trailrunning - Achensee-Umrundung - oben

T R A I L R U N N I N G   -   A C H E N S E E U M R U N D U N G   -   O B E N 


13.09.19
Wunschkonzert mit Kröte
Winni

Als ich letztes Jahr Mitte November bei Kälte und Raureif auf die Seebergspitze bin, wußte ich, dass ich nochmal im Frühjahr hierher kommen werde, wenn alles blüht. Wenig später reifte die Idee, dass sich dafür eine große Achensee-Umrundung auf der mittleren Etage anbieten würde, also ohne Gipfel. Im Frühjahr aber lag lange Schnee. Die Bedingungen für diese mehr als 30km lange Tour mit 1300hm sollten aber ideal sein. Lange hatte ich Bammel, dass mir dieser Wunsch dieses Jahr nicht mehr erfüllt werden wird. Dann tauchte dieser Freitag mit Bilderbuchwetter auf.

Mit der Seilbahn gondel ich von Maurach aus hoch zur Erfurter Hütte (1834m) - man ist ja nicht mehr der Jüngste - und freue mich, als Rofanfan endlich wieder hier zu sein. Die erste Etappe hoch zum Steinernen Tor via Dalfazer Alm kenne ich gut, neu ist, dass ich seit meiner Erfahrung mit Wassermangel bei meiner Estergebirgsrunde vor gut zwei Wochen meine Versorgung umgestellt habe. Ausgestattet mit einer Softflask (0,5l) und Elektrolytabletten sollte ich keine brutalen Krämpfe mehr in den Adduktoren bekommen. So fülle ich bereits an dieser Alm die blaue Gummiwurst und löse eine Tab auf. Die zwei Liter Wasser in meiner Trinkblase sollten jetzt nur noch Reserve sein.

Großartig der Blick hinüber auf die Seeberg- und Seekarspitze, die über einen Kamm verbunden sind und deren steil abfallende Westflanken dem Achensee einen fjordartigen Charakter verleihen, weswegen dieser See auch Fjord der Alpen genannt wird. Auch wenn ich jetzt noch nicht daran denken wollte, dass mein Rückweg auf der anderen Seite des Sees über das Tal hinter diesem Bergmassiv liegt, schnaufe ich einmal tief durch und focussiere mich auf mein erstes Zwischenziel.

Die ersten 4km vergehen wie im Flug und bringen mich zum Steinernen Tor (1955m), einem Einschnitt im Verbindungskamm zwischen Klobenjoch und Streichkopf. Mein höchster Punkt heute. Klasse der tiefe Blick hinunter und entlang den steil abfallenden Felswänden, die mich eine Weile begleiten werden. Das Licht an diesem Vormittag ein Traum. Den vor mir liegenden Downhill bin ich schon mal Christian gelaufen, auf meiner bisher anstrengensten Tour: Hochiss und Unnützübeschreitung Mitte August 2017. Anfangs steil geht es hinunter in das Hochtal mit Almen und Latschen. Unten angekommen warten tiefe Kuhtrails mit batzigen Löchern auf mich, und prompt taucht mein rechtes Bein tief in die braune Pampe ein. Bald schlängelt sich der muntere und inzwischen trockene Trail durch Latschen und Felsbrocken in Richtung Kotalm. Flott geht es dahin, bis ich nach einem Übersteig eine Kante erreiche, an der es steiler wird.

Stramm geht es jetzt auf die Kotalm zu, danach weiter über eine Fahrstraße, und euphorisiert durch die Landschaft und mein Tempo rausche ich hinunter ... und bemerke viel zu spät, dass ich falsch sein muss. Kurzer Blick aufs Navi und den einen Kilometer steilen Fahrweg wieder rauf. Schuld bin ich, wenngleich ich es deppert finde, wenn man die Wandertafeln so an eine kleine Fichte anbringt, dass sie von oben kommend kaum zu sehen sind. Diese bringen mich wieder zurück auf die geplante Route, einen abwechslungsreichen Trail Richtung Kölgalmsattel.

Nach gut 12km erreiche ich die Köglalm und mache eine Pause. Vor der Alm ein Brunnen. Ich drehe am Hahn. Wasser. Zweite Elektrolyt-Tab. Von einem Mountainbiker erfahre ich, dass der direkte Pfad hinunter nach Achenkirch unten beim letzten Gebäude - ein neueres Holzhaus - beginnt. Im Wald laufe ich bergab, erreiche eine Bank mit bildschönem Blick über den See und finde, dass diese Aussicht und der Trail, der mich hierhergebracht und bald ganz hinunter bringen wird, es wert waren, hierher zu kommen.

(Hier endet mein Blog 1.0., zu dem ich leider nach PC-Herzinfarkt keinen Zugriff mehr habe)

Fortsetzung:

Etwas später, fast unten, beneide ich die Sonnenanbeter auf ihren Holzliegen, eigentlich meine Lieblingsbeschäftigung, wäre da nicht das Trailrunning.Nach 15km unten angekommen bringt mich eine Unterführung beim Hotel Fischer Wirt sicher auf die andere Straßenseite, wo mich gelbe Wandertafeln auf dem kürzesten Weg durch den südlichen Teil von Achenkirchen (938m), hinüber zum Wanderparkplatz Oberaubach leiten.

Vor mir mein zweiter Anstieg, 740hm hinauf zum Pasillsattel (1682m), wo ich vor einem Jahr rauf auf die Seebergspitze bin. Vom Parkplatz aus laufe ich durch den breiten aber seichten Oberaubach, um meine Füße zu kühlen. Blasen habe ich mir keine geholt; die Socken waren bald wieder trocken. Statt über den Wanderweg laufe ich auch diesmal ein Stück eben am Bach entlang weiter, bis mich ein steiler Pfad hinauf bringt zur Seekaralm, die ich nach etwa 19km erreiche. Lange nicht so imposant, wie von der Seeseite aus, der Blick hoch zur Seekarspitze. Danach geht es erstmal auf einem Fahrweg weiter, und ich freue mich auf den Moment, wo zum ersten Mal die Seebergspitze auftaucht. Die wiederum sieht von hier richtig spannend aus, und ich erinnere, wie ich vor einem Jahr leisen Zweifel hatte, ob ich da überhaupt hinauf komme. Am Pasillsattel angekommen, nach 23,5km, bleibt mir nur der Blick auf die Tafel. Seebergspitze 1 Stunde. Ein andermal.

Mit diesem Sattel habe ich mein letztes Etappenziel erreicht und freue mich auf Neuland, den 2,5 km langen (600hm) Downhill hinunter zur Pletzachalm im Gerntal. Anfangs ein wenig hakelig, windet sich der Pfad bald in lustigen Serpentinen den steilen Berghang hinunter. Auch wenn die Konturen im Nachmittagslicht verschwinden, der Blick auf den Feilkopf im Karwendelgebirge direkt vor mir ist großartig.

Weniger großartig ist das, was mir dann passierte, wenngleich ohne Folgen. Ich treffe ein nettes Wanderpärchen und bitte sie, Fotos von mir zu machen. Kaum sind die im Kasten, laufe ich weiter und entdecke ein merkwürdiges Gewächs, das über den Weg hängt. Ich stoppe. Gucke. Und sehe, dass dieses Gewächs ein rostiger Stacheldraht ist. In Knöchelhöhe. Nochmal gut gegangen. Und nein, das ist nicht die Kröte aus der Überschrift, die kommt noch.

Schattig ist's im Gerntal, und lästig die Teerstaße. Und noch 3km bis Pertisau. Und weitere 5km zum Auto in Maurach. In Pertisau laufe ich vorbei an der Karwendelseilbahn und denke, ich bin gleich am Achensee. Denkste. Der Kaugummi fäng an, sich zu ziehen. Hatte ich mich anfangs noch darauf gefreut, endlich am Achensee-Ufer zu sein, fange ich an, eine fette Kröte zu schlucken: Ich laufe, sehe über den See hinüber nach Maurach und denke, ich stehe. Ich senke meinen Blick auf den Spazierweg und erlaube mir, nach je 10 Minuten auf- und hinüberzublicken nach Maurach... das kommt und kommt nicht näher. Ich frage mich, was mir einst so gefiel, auf Teer zu laufen, immerhin 13 Marathons und zahlreiche 21er und 10er.

Was für ein Glück, spät, aber nicht zu spät, das Herumsausen in den Bergen entdeckt zu haben. Schmerzen mir dabei die Füße auch nach langen Distanzen kaum, so tut mir im Moment alles weh. Dann die Seespitz. Ich muss aber noch hinüber nach Maurach. Ein Kaitsurfer verrät mir den kürzesten Weg, der Radweg. Jetzt noch Richtung Seilbahn. Dann endlich: angekommen. Nach 33,5km.
............................................................................................................................................
Hier die Etappen: Erfurter-Hütte - Dalfazer Alm - Steinernes Tor - Kotalm Mitterleger - Köglalm - Achenkirch - Wanderparkplatz Oberaubach - Seekaralm - Pasillalm - Pasillsattel - Almgasthaus Pletzachalm - Pertisau - Maurach (Talstation). Hier die Runde auf BRouter.de
...........................................................................................................................................


Bis bald:
In the meantime: Alan Jackson - Appalachian Mountain Girl


 

Winni Mühlbauer - Trailrunning Achensee-Umrundung obenherum 13.9.19



Nach oben

T R A I L R U N N I N G   -   A C H E N S E E   U M R U N D U N G   O B E N 

Zurück

Trailrunning - Rund um den Achensee auf der mittleren Etage

Weiter



Nach oben

Klicken Sie hier, um zur Galerie zu gelangen.


Nach oben

Hochtal nach dem Steinernen Tor 



Nach oben