19.12.19 Kaiserwalzer Winni
Wintersonnwendlauf bei 14 Grad! Uuuu ... what a day! Um 9:30 Uhr biege ich ein auf den versteckten Wanderparkplatz kurz hinter dem Gasthof Bärenstatt. Leer. Dieses Stückchen Südseite am Wilden Kaiser gehört heute vielleicht ganz allein mir.
Mit meiner heutigen Runde möchte ich den westlichen Teil der Hauptkette des Wilden Kaisers kennenlernen. Die Südlage ist ideal, denn der Schnee, der am Montag noch lag, sollte auf meiner heutigen Flughöhe um die 1300m überwiegend geschmolzen sein. Der Blick auf die Panorama Webcam von Ellmau bestätigt dies.
Anders, als am 23.10.19, wo ich schon mal hoch zum Sonnenstein und dann weiter zur Gruttenhütte bin, laufe ich an einer Gabelung links den Seeblicksteig hoch, der mich zur urigen Steiner Hochalm bringt. Herrlich gelegen unterhalb des Scheffauer. Der Pfad ist trocken und gut zu laufen. Der Blick hinunter zum Hintersteiner See nicht wirklich aufregend. Der Himmel ist leicht bedeckt, die Sonne hat es schwer, sich ganz durchzusetzen.
Die Farben heute sind gedeckt, ungetrübt dagegen meine Freude an dem, was ich gerne tue, nicht im Übermaß, dennoch solide. Ich fühle mich wohl hier, allein unterwegs im Bergwald.
Drüben, an den Hängen von Ellmau, St. Johann und Scheffau, sehe ich kleine Punkte, die sich über schmale, zu Tale schlängelnde weiße Bänder, bewegen. Lange her, da habe ich als Minitrickskifahrer dort drüben meine Pirouetten gedreht, heute tanze ich den Kaiserwalzer auf schmalen Pfaden. Und möchte um nichts in der Welt tauschen.
Leider viel zu schnell spuckt mich der Trail an der Steiner Hochalm aus. Wenig später erreiche ich den Wilder-Kaiser-Steig (WKS). Hier ein breiter Wanderweg, bald mit einer nassen Schneedecke überzogen. Ich blicke hoch zum Sonnenstein und denke mir, dass eine Umrundung möglich sein sollte. Denkste! Schon wenige Meter oberhalb der Kaiser-Hochalm sind keine Trittspuren mehr, durch das Mesh meiner Trailschuhe dringt Wasser. Links herum zum Wasserfall, sagt die Tafel, eine Stunde. Auch wenn die Wanderzeiten hier sehr großzügig bemessen sind, habe ich keine Lust, weiter durch Nassschnee zu stapfen. War auch nicht geplant. Mit 1430m war dies der höchste Punkt heute.
Ich drehe um und laufe zurück zur Steiner Hochalm. Hinter mir liegen gut 5km. Ich biege ein auf den Jagersteig. Der Name hält, was er verspricht: Ein schmaler, vom Wurzelsepp ausgestatteter wildromantischer Trail, schlängelt sich auf knapp vier Kilometer ohne nennenswerten Höhenverlust vorbei an Felswänden durch den Bergwald oberhalb vom Hintersteiner See. Hier treffe ich das einzige Wanderpärchen, das, wie ich, diesen Tag als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk betrachtet.
Es ist mild, der Föhn ein laues Lüfterl, das gedimmte Licht wie von tausend Kerzen. Dankbar, heute hier unterwegs sein zu dürfen, auch zu können, in fortgeschrittenem Alter, auf flinken Beinen, nehme ich diesen Abschnitt unter meine Füße und erreiche die Walleralm (1170m).
Der Panoramablick reicht vom Kitzbühler Horn über die Hohe Salve bis ins Inntal, weit hinten die Gletscher des Hohen Tauern. Vom Wilden Kaiser selbst hier nichts zu sehen, was ich schade finde und was mich auch im Sommer nicht zum Verweilen einladen würde. Hinter mir ein Schild: Kaindlhütte 1 1/2 Stunden. Auf dem Weg dorthin liegt das Hocheck (1470). Der Hang ist sonnenbeschienen und trocken. Es bleibt noch Zeit. Also los!
Mein nächster Anstieg. Nach 500m und insgesamt 10km erreiche ich den Bergwald. Es ist schattig, der Pfad ist weg. Begraben unter Schnee. Nassschnee. Ich laufe weiter und lande bald mit beiden Füßen in tiefen Wasserlöchern. Schluork! Trocken waren meine Socken schon seit den letzten Schneekontakten nicht mehr, aber jetzt sind patschnass. Egal, beim Schwimmen hat man auch nasse Füße, ich laufe weiter. Hat ja keinen Frost. Und Blasen habe ich mir beim Laufen mit nassen Socken auf Trails auch noch nie geholt. Nur beim Straßenlauf. Hier auch so ziemlich alle Verletzungen, die man sich als Läufer so holen kann. Beim Trailrunning nichts davon. Mal ein paar Abschürfungen oder ein aufgeschlagenes Knie, aber keinerlei typischen Laufverletzungen. Apropos Abschürfungen. Auch diesmal habe ich mir ein Trail-Tatoo mit nach Hause genommen, und siehe da: es wurde ein Berg oder eine Nikolausmütze, mit meinen Initialien darüber. (siehe letztes Foto im Hochformat). Ich sag's ja immer: Engel begleiten mich.
Je mehr ich den Schatten hineinlaufe und erkenne, dass er mich wohl eine Weile nicht mehr los lassen wird, kommt eine Unlust auf, noch weiter hoch zu laufen. Zumal es ja keine Runde werden kann. Ich denke an die Südseite und drehe um. Nochmal in den Wasserlöchern vollgetankt, und dann ab in die Sonne.
Vorbei an der Walleralm geht‘s in Richtung Hintersteiner See. Zunächst auf einem langweiligen Wirtschaftsweg, bald etwas höher verlaufend auf einem schicken Trail. Der bringt mich zurück auf den Wirtschaftsweg und wenig später zum Ostende des Sees. Noch 1km auf Asphalt, und nach insgesamt 16km und gut 1000hm erreiche ich mein Auto, das wohl den lieben langen Tag keinerlei Ansprache hatte. Wie ich.
Ich setze mich neben dem Parkplatz auf die sonnige Wiese und genieße meinen Quark à la Winni: Speisequark 40%, Joghurt, Banane, Chiasamen, Weizenkeime und Haferflocken. Dann noch zwei Stückchen SCHO-KA-KOLA, und putzmunter mache mich auf die Heimreise.
Bis bald. In the meantime: Jeff Black - Rain.
Was für ein geniales Songwriting! Welch gewaltige Stimme! Welch exzellentes Gitarrenspiel! Schönen Gruß von hier aus an den deutschen Jammerer Tim B., den Weltenretter. (Das musste jetzt mal gesagt werden).
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