23.11.19 What do I want? What do I need? Winni
Drüben Ski, hüben i. On the sunny side. Mit dem Auto hoch zur Wochenbrunner Alm. Und weiter rauf zur Gruttenhütte, wo ich genau vor einem Monat umgekehrt bin. Damals traf ich hier oben eine junge Familie, die mit einem Babyjogger hoch sind. Ja, sie mussten ihn schon hin und wieder tragen, aber es ging schon. Entsprechend stellte ich mich auf einen langweiligen Wirtschaftsweg ein.
Tatsächlich aber ging es von Anfang an lustig holprig los, erst auf einem breiten Wanderweg hinein in den Wald. Dort auf trockenem Laub weiter hoch, und nach der Baumgrenze hinweg über kleinere Felsen und Schrofen; und ich fragte mich: wie zum Teufel haben Mama und Papa den nicht kraxenfähigen Einjährigen da hinauf gebracht?
Die Sonne scheint barmherzig, vom angekündigten Sturm nichts zu spüren. Gut, dass ich bereits um 7 Uhr los bin, wer weiß, wie lange der Himmel unverhangen ist und ich nachholen kann, was ich vor einem Monat verschusselt hatte: Fotos machen vom Kraftort aus, 300m von der Gruttenhütte entfernt, beim Einstieg zum Jubiläumssteig. Wären Fotos auf dem Handy schwer, ich hätte eine Schubkarre gebraucht. Alleine stehe ich vor den bizarren Wänden des höchsten Gipfels im Wilden Kaiser, die Ellmauer Halt (2344m). Der Tiefblick nicht weniger beeindruckend.
Ich verweile ... alleine ... meditiere mit offenen Augen.
Ein paar Meter gehe ich dann noch weiter, dorthin, wo die Drahtseilversicherung beginnt, versuche der Linie zu folgen, mit dem hübschen Namen Jubiläumssteig. Denke an die Trailrunner, die beim Wettkampf um die Kaiserkrone hier laufen, auch ohne sich groß festzuhalten. Denke auch mein Mantra: Genuss statt Gehetze. Und dass Trailrunning auch ohne Klettern Sinn macht. Allerdings war ich neugierig und wollte mir das Klamml von der Nähe ansehen. Es verbindet - wie der Jubiläumssteig auch - die Gruttenhütte (1619m) mit der tiefer gelegenen Gaudeamushütte (1263m), und ist nur einen Katzensprung von ersterer entfernt. Ein paar Trittspuren im Schnee führten zwar zum Ausstieg oben, ein Risiko aber wollte ich nicht eingehen.
Dann eben von der anderen Seite, wie geplant. Ich laufe den Pfad, den ich hochgelaufen bin, wieder hinunter bis zu einer Abzweigung, wo mir ein Schild verrät, Gaudeamushütte 30 Minuten. Tolles Trailrunning, runter wie rauf, alles trocken. Enttäuschend allerdings, dass sich langsam eine dünne Wolkendecke ausbreitet. Versöhnend jedoch die Milde. Oben angekommen der Blick hinüber zum Klamml. Voller Schnee. Den Weg dorthin erspare ich mir. Schnee jedoch nicht. Der kommt eher als gedacht, fängt schon kurz oberhalb der Gaudeamushütte an, dort, wo das Gelände hinter dem Mahlereck keine Sonne mehr abbekommen hat. Und der Pfad hinüber zum nächsten Ziel, die Ackerlhütte, zieht sich.
Strecke zu machen geht heute kaum, bis auf wenige Ausnahmen. Ein Stückchen durch den Bergwald laufe ich über trockenes Laub, bald aber klebt wieder Batz an meinen Schuhen. Ein Schild weist mir den Weg zum Baumgartenköpfl mit seinem Bergsteigergrab, wo der Wieser Much begraben liegt, wer immer das war. Nach insgesamt 8,5km stehe ich am Gipfel und blicke hinunter nach Ellmau und St. Johann und weit hinein in die Alpen. Der Kaiser steht hinter mir und schaut mir über den Rücken. Ich wende mich zu ihm und finde, dass er auch ohne direktes Licht richtig gut aussieht. Eigentlich wollte ich hier schon umdrehen, was aber dann machen mit der restlichen Zeit an diesem tollen Tag?
Ich erreiche einen Abzweiger, wo ich eigentlich rechts hinunter laufen wollte zur Oberen Regalm und weiter zur Ackerlhütte. Warum? Weil ich es in einem kleinen Büchlein so las. Stattdessen laufe ich geradeaus weiter über einen matschigen und steinigen Pfad, bis ich eine Kuppe erreiche. Hui! Den steilen Trail hinunter ginge es heute höchsten auf dem Hosenboden. Die Ackerlhütte schon im Blick entscheide ich mich zur Umkehr, da auch der weitere Wegverlauf nicht sonderlich reizvoll zu sein scheint.
Bald wieder durch tiefen Schnee erreiche ich die Gaudeamushütte und wähle hinunter den Pfad, den ich hoch gekommen war; und wenigstens der machte richtig viel Spaß. Nur leider war die Gaudi eine kurze.
Viel zu früh bin ich wieder am Auto. Aber so, wie die Tage kürzer werden, werden jetzt auch meine Runden kürzer. Heute waren es nur 14km. Immerhin läpperten sich die Höhenmeter auf 1100m. Und warum nicht nach einem Läufchen in den Bergen gut erholt am Auto ankommen, sich bei Wärme umziehen und Quark hineinschaufeln.
I need to be free I need to be free I need to be free
What do I want. Jeff Black
Bis bald In the meantime: Jeff Black - What Do I Want
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