14.6.21 Makelloses Blau Winni
Die Woche wird heiß. Der heutige Montag sollte noch erträglich sein. Von meiner letzten Tour im September 2019 weiß ich, dass oben alles sonnenexponiert ist. Daher laufe ich heute die Runde andersherum. Punkt 10:30 Uhr starte ich am alten Forsthaus im Valepp, viel zu spät, musste aber vorher noch etwas erledigen. Dazu immer noch die Umleitung vor dem Tegernsee (bis 9.7.21).
Bald erreiche ich den steilen Anstieg im schattigen Bergwald, ein sehr schmaler Pfad, und schraube mich auf 2km 500hm hinauf. Heute Premiere: Mein neue GPS-Uhr, die Coros Pace 2. Auf dem Display: Puls, Dauer, Schrittfrequenz, Zeit. Laufen geht hier definitiv nicht; kann mich nicht erinnern, schon einmal länger derart steil hinaufgestiegen zu sein. Der Puls aber pendelt zwischen 120 und 130. 37 Jahre aktives Laufen hält fit.
--------------------------------------------------------- Hier die Etappen meiner 19,7km langen Runde, unterfüttert mit 1260hm: Valepp – Bärenbadalm – Hinteres Sonnwendjoch (1986m) – Bärenbadalm - Reichstein-Alm - Valepp. Hier die Gegend auf fatmap.com . Und hier die Runde auf BRouter.de -------------------------------------------------------- Wildromantisch das letzte Stück, bevor es raus in die Sonne geht. Ich blicke hinüber zum Trausnitzberg, dem Österreichischen Schinder. Dominierte bis jetzt saftiges Grün, spannt sich jetzt reinstes Blau über mich. Angenehm frisch der Wind, auch die Luft noch kühl. Wird sich am Nachmittag ändern, da aber geht es bergab.
Ich erreiche die Bärenbad Almen und treffe dort auf einen Wandertrupp. Belgier. Fragen, woher ich komme. Kennen München und Munich nicht, bzw. verstehen mich nicht. Bayern München aber kennen sie. Auf einem Forstweg laufe ich weiter auf die sonnige Flanke unterhalb des Gipfels zu – es zieht sich. Zuletzt noch ein paar Stufen, und schon stehe ich nach 8km auf dem Gipfel (1986m), der nordseitig wild und rau abfällt. Grandios der Blick auf den Alpenhauptkamm. Die Nordseite des Guffert ragt dominant heraus, noch immer liegt Schnee dort.
Als Option habe ich mir für heute den Nachbargipfel, die Krenspitze, vorgenommen. Schon zu Hause habe ich mir auf Fotos den Wegverlauf angesehen und hoffte, vor Ort einen zumindest teilweise laufbaren Trail vorzufinden. Ich verschwinde auf der Hinterseite des Gipfels und beginne bald auf allen Vieren ein Stück weit abzusteigen – es ist steil und Kullersteine machen es mir nicht leicht.
Ich bleibe stehen und erkenne, dass wohl der gesamte Steig dort hinüber ähnlich steinig ist und ziemlich „hängen“ dürfte; dazu ein paar ausgesetzte Stellen. Könnte ich eine Runde basteln, würde ich die geschätzt halbe Stunde Wandern in Kauf nehmen, aber hin zu zurück lasse ich es sein. Die Krenspitze ist für mich kein must-have.
Also zurück zum Sonnwendjoch und hinunter zur Bärenbad Alm. Richtig guter Downhill. Von dort wähle ich nicht den direkten Weg nach Valepp, den, den ich hochgekommen war, sondern laufe in Richtung Erzherzog-Johann-Klause. Hier bin damals hoch und oberhalb der Reichstein-Almbestimmt eine halbe Stunde herumgegeistert, weil ich trotz Navi den Weiterweg nicht gefunden hatte. An diesen kann ich mich jetzt kaum erinnern, nur, dass er von Kühen vollgeschissen war.
Wer es einsam mag, wird hier seine Freude finden, weil von der Klause so gut wie kein Wanderer auf das Sonnwendjoch geht – der Weg von Valepp auf der normalen Route ist schon lange genug, und zur Klause muss man erst mal kommen (siehe meine 25km lange Runde vom Sept. 2019). (Die meisten Wanderer gehen den kürzesten Weg vom Ursprungstal über die Ackernalm auf das Sonnwendjoch)
Der Trail ist runterwärts ziemlich bockig, teilweise geht es weglos dahin, allerdings ist die Markierung vorbildlich. Bis ich …
Mitten im Bergwald spannt sich plötzlich eine Almabsperrung ohne Durchgangsmöglichkeit. Ob Strom drauf war, weiß ich nicht. Vorsichtig steige ich drüber, lande auf einem matschigen Pfad, der mich bald aus dem Wald entlässt. Unten die Reichstein-Alm. Ende der Markierung. Ich nehme die Direttissima und entdecke zwei liegende Holzpflöcke mit roter Markierung – und unterstelle dem Bauern wohl zu Recht, dass er nicht will, dass man über seine Alm latscht. Ein lautes „Buh!“ meinerseits, denn, wie gesagt, hier kommt ohnehin kaum jemand vorbei.
Die Klause und den spannenden Weg durch die Klamm der Grundache lasse ich heute aus, wähle stattdessen den kürzen Weg obenherum. Ein wenig fad der breite Wirtschaftsweg, wenngleich landschaftlich reizvoll.
Ich erreiche das Forsthaus, vor dem mein Auto in Sonne steht und hoffe, dass ich auf dem Rückweg auf der einspurigen Straße keinen Gegenverkehr habe. Erst kommt mir ein VW-Bus entgegen. Ich muss weit zurücksetzten. Dann ein fetter LKW. Ich batzl mein Auto wie eine Kakerlake rechts ran. Und weil es so schön war, treffe ich noch auf einen PKW mit Anhänger. Kann man mit einem Anhänger rückwärts fahren? Eben! Na ja, ein wenig Abenteuer darf es beim Trailrunning schon sein.
Bis bald. In the meantime: Ralph Stanley - Step Out In The Sunshine
Tritt hinaus in den Sonnenschein, so schön und hell Oh führe die dunklen Schatten zum Strahlen Ich wandle auf dem Pfad der Freude und des Lichts Und mache das Leben jeden Tag glücklich
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