5.1.21 Dark To Light Winni
Um 12 Uhr erfahre ich, dass unser bestgeschultes Personal in der Verwaltung plant, freie Menschen weiterhin einzusperren und den Bewegungsradius auf 15km zu beschränken.
Sofort packe ich meine 17 Sachen und fahre kurz vor 14 Uhr los. Ziel: noch einmal der Wallberg (1722m), da heute über den Wolken die Sonne scheint und mir der Berg ohnehin gefällt; war ja auch am 1.5.13 meine Geburtsstätte als Trailrunner.
Um kurz vor 15 Uhr laufe ich bei Minus 5 Grad los. Zu schnell, bin noch nicht an die eiskalte Luft gewöhnt. Überhole Familien mit Schlitten und ihren Zwergerln, die eifrig hinauf stapfen und sich auf das Runterdüsen freuen – kleine Freuden, die sie uns auch noch wegnehmen wollen; danach das Eigentum - und die Betreutdenkenden werden sich darüber auch noch freuen.
Auf dem Weg nach oben (Winterweg) geht es über alle Untergründe: Trocken, Schnee, Eis. Mit Spikes komme ich gut voran. Will ins Licht, ins geliebte Licht, in die Abendsonne. Ich erreiche die Wallbergmoosalm, wo die offizielle Rodelei beginnt. Die Alm ist offen. Es wird Gefensterlt. Er, sie, es fensterlt, ich fensterle nicht, ich trailrunne.
Scharf links rauf, ein Stück durch den Wald und ich lande auf dem Sommerweg. Es wird heller. Dann spuckt mich der Bergwald aus:
Über mir der stahlblaue Himmel. Der Weg, die Wiesen. Alles weiß! Weiß auch das Wolkenmeer, schwappt heran an den Fuß des Berges. Inselchen ragen heraus, markant der Leonhardstein.
Während sich der Horizont mehr und mehr orangegelb färbt, laufe ich weiter und bin glückseelig, hier zu sein, meine Freiheit zu spüren, zu atmen, eine Freiheit, die ich mir, als Mensch, von niemanden wegnehmen lasse.
Vor mir der Setzberg. Den lasse ich heute rechts liegen; sieht eisig aus. Noch einmal biege ich links ab, passiere die Wallbergkapelle, dann die Bergstation der Bahn, und laufe weiter an den Fuß des Gipfelaufbaus. Die Kletterstelle sieht gut aus. Wenig Eis, etwas Schnee. Stöcke von links nach rechts und zurück gewechselt, und schon bin oben.
Der Blick auf das Wolkenmeer unter mir traumhaft. Der Himmel hat sein sanftblaues Abendkleid übergezogen. Noch auf schmalem Pfad unterhalb des Gipfels herum, ein paar Meter hoch, und ich stehe - wie geplant- um Punkt 17 Uhr auf dem Wallberg. Mit mir ein junger Mann, der aber bald wieder absteigt.
Allein. Kaum Wind. Himmlisch!
Dann mache auch ich mich an den Weg nach unten. Es dämmert. Da ich keinen Menschen mehr hier am Berg wähne, klettere ich vorsichtig die felsdurchsetzte Passage hinunter und erreiche den Pfad, der an den Fuß des Wallbergs führt. Von dort laufe ich weiter zur Kapelle. Mit mir ist auch die Nacht angekommen.
Ich stehe im gelben Licht des Scheinwerfers, der die Kapelle anstrahlt, und genieße die Wärme. Allein bin ich nicht, ein seltsamer Zeitgenosse mittleren Alters treibt sich hier herum und erwidert nicht mein freundliches Griaß di. Als er geht, sagt er: Wiederschaun!
Wieder allein freue ich mich auf den 5km langen Downhill über den Sommerweg hinunter. Ich hole mein Weihnachtsgeschenk heraus, meine neue Stirnlampe Iko core mit bis zu 500 Lumen – bittl a petzl. Sogar meine Sonnenbrille mit photochromen Gläsern, die jetzt nur durchsichtig sind und meine Augen vor der Kälte schützen, kann ich dazu aufsetzten. Ein geiles Teil.
Von Anfang an ballere ich los. Heute, im Gegensatz zum 19.12.20, auf meist griffigem Schnee. 100 Lumen reichen völlig aus, nur im Nebel ist die Sicht etwas getrübt. Hin und wieder schaue ich hinein in den Wald und meine, Eisglühwürmchen gesehen zu haben.
Um 18:15 Uhr erreiche ich meine Auto, das einsam und verlassen auf der Zufahrtsstraße steht, jener Straße, auf der zwei Tage später nicht mehr geparkt werden darf. Gut, dann eben unten im Dorf die Karre abstellen und das Stückchen mehr hoch laufen. Grad zum Fleiß. Die Straße wurde mit einer Parkbucht (aus Steuermitteln, versteht sich) so breit gebaut, dass dann immer noch zwei Busse Platz haben.
Hier meine Runde auf Brouter.de
Bis zum nächsten Mal In the meantime: Black Sun Aeon – Cold
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