31.7.20 Best of Downhill Winni
Es soll der heißeste Tag bisher werden. Kann mir keinen schöneren Anstieg vorstellen, der mich nordseitig im Schatten rasch hinaufbringt, als den famosen Jägersteig bei Hammersbach. Um 7:45 Uhr biege ich auf den jetzt schon fast vollen Parkplatz ein. Die Gebühr für 12 Stunden parken (kürzer gibt‘s nicht) ist der Hammer: 8 Euronen.
Wasser habe ich 1,5 Liter gebunkert, dazu mein spezielles Spezi mit mir wichtigen Ingredienzien. Als Biohacker mache ich das Pi mal Daumen. Empfehlungen sind mir ziemlich egal. BCAA und Taurin ist drin, L-Arginin und natürlich Hafermehl. NAC habe ich rausgeschmissen, da es scheußlich schmeckt. In eine leere Softflask werfe ich eine Elektrolytablette, heute vielleicht das Wichtigste.
Es geht los, bald im Schatten die ersten steilen Stufen hinauf, die Luft ist feucht, die Temperatur angenehm. Ich erreiche einen breiten Wirtschaftsweg – und laufe doch glatt an der Fortsetzung (Abkürzung) des Pfades (KE 2) vorbei. Leider nicht ausgeschildert. Jedenfalls: An der ersten Wasserstelle, ein Brunnen, wäre es hochgegangen. Ich nutze den Forstweg zum Laufen. Bald kommt links der weitere Pfad, der mich nach dem Waldeck auf den Jägersteig bringt. Bei Nässe bergab schwierig zu laufen. Heute ist er trocken. Ich erreiche die Talstation des Längenfelder (Lift) 1610m nahe der Kreuzeckbahn Bergstation. ……………………………………………………………:............................................ Mythos Jägersteig: Es sind die letzten 5 Kilometer beim ZUT (102,5km /5491hm), und viele kommen hier in den frühen Morgenstunden herunter. Zeitlimit sind 26 Stunden. ……………………………………………………………………...................................
Als ich vor 6 Jahren den Basetrail XL gelaufen bin, musste ich kurz vor Hammersbach noch einen Baum aufsuchen. Das hat mir leider den 3. Platz in meiner Altersgruppe gekostet. Sei‘s drum. Mich hat es dreimal geschmissen, ohne größere Blessuren. Das war wichtiger.
Jetzt zu meiner eigentlichen Planung. Ich wollte nahe dem Kreuzeck hinüber zum Stuibenkopf und biege ein auf den Bernadeinsteig. Noch keine 10 Uhr. Die Luft steht, es ist unerträglich heiß. Der weitere Wegverlauf wie in einem Hohlspiegel. Über die Wasserversorgung drüben weiß ich nichts. Ich breche ab. Überlege. Erinnere mich, wie ich vor vielen Jahren mit ein paar Jungs und einem Hund bei den Traildays in GAP (gibt es nicht mehr), bei Nebel und Niesel irgendwo nahe der Osterfelderköpfe einen spannenden Trail gelaufen bin, der uns hinunter zum Jägersteig gebracht hatte. Den wollte ich heute finden. Also rauf in Richtung Bergstation Alpspitzbahn.
Ein kurzes Stück laufe ich zurück, biege links ab und wähle hier den Weg, der leicht bergan geht. Den rechten Weg werde ich herunter kommen, den Hupfleitensteig.
Hier die Etappen dieser Runde mit 18km und 1300hm: Hammersbach - Jägersteig - nahe Kreuzeck (1650m) - Längenfelderkopf (1910m) - Osterfelderkopf (Bergstation Alpspitzbahn, 2057m) - Hufpfleitensteig - Jägersteig - Hammersbach.
Vier Serpentinen weiter taucht die beeindruckende Alpspitze auf. Der Trail führt wie mit dem Lineal gezogen direkt auf den pyramidenförmigen Gipfel zu, bringt mich aber erst mal auf kleines Gipfelchen mit bescheidenem handgefertigten Holzkreuz, dem Längenfelderkopf (1910m); da hatte wohl jemand Erbarmen. Immerhin hat man von hier aus allerbeste Sicht auf die Alpspitze und das nächste Etappenziel, die Bergstation. Ich verweile ein wenig.
Als ich wieder starten will, rutscht der Griff eines Stockes in den Keller. Aus meinem First-Aid-Kit hole ich ein breites Pflaster, und schon ist das Ding wieder einsatzbereit. Ich laufe ein Stückchen bergab, umrunde einen Felsen und lande in steilem Gelände. Ein Drahtseil ist gespannt, das man aber bei Trockenheit nicht braucht; der Pfad ist breit und sicher. Noch ein kurzes Stück bergan, und ich bin oben am Fuße der Alpspitz.
War ich bisher nahezu allein unterwegs, werde ich oben an der Bergstation nahezu überrannt; und fast alle eilen zum Ende der Schlange vor dem Einlass zum Restaurant Alpspix. Ich fülle mein Wasser auf und gehe zur Aussichtsplattform Alpspix, den beiden luftigen Stegen mit tollem Ausblick hinunter ins Höllental. Da der untere Steg kaum besucht ist, knie ich mich auf den Rost, lege das Objektiv des Handys so auf den „Boden“, dass ich den Tiefblick fotografieren kann.
Ein wenig verweile ich noch, strolche herum, und freue mich auf den vor mir liegenden Downhill. Nicht erwartet hatte ich, dass es einer meiner schönsten Bergabläufe seit langem werden würde – und das über 1300hm. Ein kurzes Stück laufe ich hinunter in Richtung Lengenfelderkopf bis zu einem Abzweiger nach links. Hier beginnt der Hupfleitensteig, ein locker flockig zu laufender Singletrail durch herrliche Vegetation.
Er bringt mich direkt hinunter zur Talstation des Längenfelderschlepplifts, wo der Jägersteig beginnt. Hier ein MTB-Video: Trailen im Wettersteingebirge - Freeride am Kreuzeck.
Heute ist der Pfad trocken und gut zu laufen; anders als damals bei diesen beiden - Zugspitz Ultratrail - Der Jägersteig!!!1 , wobei gesagt werden muss, dass die Schlüsselstelle „Bachlauf mit rutschigen Steinen“ inzwischen mit einem Drahtseil gesichert ist. Hier mache ich einen kurzen Stopp, fülle meine Softflask mit eiskaltem Wasser und Elektrolyten, und laufe die letzte Etappe hinunter zum Hammersbach und dem gleichnamigen Ort.
Insgesamt bin ich den Jägersteig dreimal hinuntergelaufen, und heute, an dem heißen Tag, war die Wahl der Tour ideal. Ohne mich am Auto groß aufzuhalten, düse ich bald los und stürze mich um 17 Uhr in die Fluten meines Baggersees nahe München. Oh, What a Day [Official Lyric Video]
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