10.04.20 Seid's ihr von der Polizei? Winni
Auf geht's in die Berge. Ist explizit nicht verboten. In einem Rutsch düse ich ohne Polizeikontaktnach Fischbachau und 1km rauf nach Birkenstein. Parkplätze links und rechts en masse. Ich parke unterhalb der Kapelle. Punkt 10 Uhr laufe ich los.
Geplant ist folgende Runde: Wendelstein (-Haus), Breitenstein und -fensterl. Letzteres könnte schwierig werden, da der Weg dorthin nicht ausgeschildert ist. Auf Schneekontakt bin ich nicht wild, wird sich aber auf der Nordseite vom Wendelstein nicht vermeiden lassen.
Ich erreiche die gelben Wandertafeln und orientiere mich rechts: Wanderweg 661, Wendelstein über die Spitzingalmen. Zunächst leicht ansteigend dann steiler (oder ist es meine schlechte Kondition?), bringt mich ein Forstweg nach gut 2 km zu einem Pfad links hinauf. Endlich wieder einen Trail unter den Füßen! Erste Versuche, Fotos mit Selbstauslöser zu machen: Handy an einen Stein gelehnt, gedrücktund nach 10 Sekunden Zack! Na also geht doch. Nach 2,5 km spuckt mich der Wald aus. Sonne von vorne, gleißend wie im Sommer. So froh, dem Corina-Wahnsinn entkommen zu sein. Noch über eine Kuppe und schon taucht er vor mir auf, der Techno-Berg. Über die Bocksteinscharte geht es steil hinauf zum Wendelsteinhaus, das ich nach 6km erreiche. Fotos von der Terrasse. Wie Impressionen am Meer um 5 Uhr morgens, wenn alles schläft.
Kurze Pause und wieder runter über die Scharte zum Abzweiger. Der erste Schnee. Ein Trailrunner kommt mir stapfend entgegen. Das geht noch ein ganzes Stück so weiter, meinte er, und nicht immer ist der Weg klar. Zwei mal verlaufe ich mich ein wenig, das Navigieren hilft mir nicht. Der Schnee wird tiefer im schattigen Rücken des Techno-Bergs. Immer wieder mit einem Bein bis zur Hüfte im Schnee. Langsames Vorwärtskommen unterhalb des Türkenköpfl. Komme zu weit nach rechts, das Navi aber sagt, du bist hier goldrichtig. Hm! Links drüben Stimmen. Zwei junge Pärchen juxen den Berg hinunter. Ich ihnen hinterher, auf der Direttissima. Der Blick hinüber zum Breitenstein vielversprechend, alles in der Sonne. Jepp!
Nach 8,5km passiere ich erst die Durhamer Almen und wenig später die Aiblinger Hütte (1311m). Sommerlich warm ist es hier. Die nassen Socken trocknen bereits, oder auch nicht. Ist mir auch wurscht, ob nass, feucht oder stinkend, ich fühle mich befreit. Vor mir der zweite Anfstieg, erst Mal 250hm rauf zur Hubertus Hütte, die nur wenige Höhenmeter unterhalb des Breitensteingipfel in sonnenexponierter Lage liegt. Leider keine Zeit zum Faulenzen, ich will rauf. Traf ich bisher nur wenig Wanderer, darunter zu meiner Freude viele Panik befreite Familien, ist der Breitenstein gut besucht. Und auch hier: Es wird Abstand gehalten: Rasch Fotos am Kreuz (1622m) geschossen und dann am Kamm sich ein sonniges Plätzchen gesucht.
Lieber DAV: Wir brauchen keinen erhobenen Zeigefinger und keine aufrüttelnden Mahnungen, wir regeln das unter uns, sind schließlich keine Kinder.
15 Minuten verweile ich unterhalb des Gipfels und schieße ein außergewöhnliches Foto: Breitenstein in der Sonne und kein Mensch am Kreuz. Dann schaue ich hinüber zum Nachbargipfel, dem Bockstein, und mache mich auf in Richtung Breitensteinfensterl.
Zunächst quere ich eine noch blumenfreie Wiese bis unterhalb des Bockstein und lande auf dem steilen Pfad hinunter im Bergwald. (Gerade aus weiter ginge der Hauptweg runter zur Bucheralm.) Sehr unaufgeräumt die Ecke hier, dafür wildromantisch. Das Laufen geht ganz gut. Dann kommt es mir komisch vor, weil ich schon lange unterwegs bin und kaum an Höhe verliere. Ich gucke auf das Navi. Bingo! Hier irgendwo muss das Fensterl sein. Ein hoher Felsblock rechts neben dem Pfad taucht auf. Hier sollte es irgendwo sein. Da ich weder Pfad noch Trittspuren finde und keine Lust habe, mich durchs Unterholz zu schlagen, verwerfe ich fürs erste den Plan. Fensterln kann ich ein anderes mal immer noch.
Noch ein ganzes Stück geht es holprig dahin, dann verlasse ich den Bergwald und erreiche den Hauptweg zur Bucheralm. Zwei stämmige Burschen mit fetten Rucksäcken kommen mir entgegen. In Blau. Erster Gedanke. Polizei. Kann aber nichts erkennen. Dann rauscht der Funk und ich entdecke die Waffen. Servus! Ist das dort unten die Bucheralm?. Ja! Seid‘s ihr von der Polizei? Ja! Wir unterhalten uns kurz und ich erzähle ihnen von meiner Erfahrung heute, was die Abstandsregeln betrifft, vor allem am Gipfel. Ein paar erwischen wir immer, meinte einer der beiden. Kein Wort darüber, wo ich herkomme. Ich wünsche ihnen frohe Ostern und laufe weiter. Einer drehte sich dann um und sagte: Hoffentlich ist der Schmarrn bald vorbei! Sehr sympathisch. Die Kennzeichnung „Polizei „übrigens verbarg sich unter dem Rucksackriemen.
Vorbei an der Bucheralm laufe ich weiter hinunter in Richtung Birkenstein, und selbst hier bin ich 3km überwiegend auf reinrassigen Trails unterwegs. Nach insgesamt 16km und ca. 1200hm lande ich beim Auto und mache mich auf freien Straßen auf nach Hause. So darf es gerne weitergehen. Besser noch: auf wieder vollen Straßen.
Bis bald In the meantime: WOLFHEART - Ashes (Official Lyric Video)
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