15.01.20 Ouvertüre Winni
Tegernsee oder Jachenau? Jajachenau! War ich schon lange nicht mehr. Im Sonnental. Diesen Winter ohne Loipe. Vor einem Jahr von der Umwelt abgeschnitten. Ersoffen im Schnee.
Den erwarte ich heute kaum, komme ich doch rauf zum Hirschhörnlkopf (HHK) nicht höher als 1515m. Schon einmal war ich hier, mit Christian, und gut erinnere ich die tollen Trails rauf und runter. Und erst die Aussicht. Also los!
Im Schatten und in Kälte erstmal einen vereisten Wirtschaftsweg lang, da so ausgeschildert. Oben rum wäre auch gegangen. Der HHK schon in der Sonne. Mit weißer Mütze. Steil die südliche Flanke. Auch das Steiglein hinauf ist steil aber überwiegend trocken. Serpentine für Serpentine eile ich nach oben, laufen geht kaum. Weiter oben dann wird der Pfad eisig.
Dann öffnet der Wald sein Dach und allerschönstes Winterhimmelblau empfängt mich. Ich lande in einer verschneiten Landschaft, wie ich sie nicht erwartet hatte, laufe in einer Spur und mache Tempo bis zur Pfundalm. Eine Bank in der Sonne. Ein Wanderpärchen scheint wie festgeklebt. Wollen nicht zum Gipfel, waren schon oft oben. Verständlich, denn der Panoramablick hier und heute ist 3D-Naturkino. In scharfen Konturen zeigt sich das Karwendel, das Rofan und alles dazwischen und daneben. Ein Massiv in der Nähe überragt alles andere: der Guffert. Links unten der Walchensee im Winterschlaf.
Euphorisiert laufe ich weiter, stapfe bald durch tiefen Schnee den leicht steilen Anstieg rauf zum Gipfel. Mit wind- und wasserdichten Socken. Nochmal genieße ich am Kreuz die Panoramen und den Blick hinüber zum Jochberg. Und mein Treffen mit zwei nicht mehr ganz so junge Männern. Den mit einer fetten Kamera bitte ich, Fotos von mir zu machen. Mit meinem Smartphon. Ich zeige ihm, wo er drücken soll. Ein Dutzend Versuche scheitern. Beide stehen fassungslos da. Ich drücke. Zack! Foto ist da. Sie können es nicht glauben. Jetzt der andere. Nichts. Dann nach vielem Lachen und Staunen doch noch zwei Fotos.
Als ich mich von den beiden verabschiedet hatte und anfing, den Gipfelhang runterzuballern, fiel mir ein: die haben wohl die ganze Zeit fest auf den hellen Punkt gedrückt, wie man es bei Kameras macht. Und nicht nur kurz angetippt.
Auf halbem Weg noch vor der Pfundalm geht es rechts hinunter zu einem Pfad, der mich ins schattige Tal zwischen HKK und Jochberg bringen wird. Bin neugierig, wie viel Schnee liegen wird. Hier oben jedenfalls ist nichts gespurt und ich stapfe durch Tiefschnee. Schnee ist schon länger nicht mehr gefallen, aber die trockene Luft und ein Taupunkt unter Null Grad verhindern, dass der Schnee nass wird und taut. Kann sich die Sonne anstrengen wie sie mag.
Ich erreiche den Bergwald. Noch ist der Trail weißgepolstert, dann aber frei und gut zu laufen. Weiter unten im Schatten wieder mehr Schnee. Der Jochberg vor mir wird immer höher, und zweifelnd schaue ich auf seine Nordseite.
Das Bergtal kommt näher und mit ihm der Winter. Keine Sonne mehr. Massenhaft Schnee. Typisch für die Kotalm, die ich gerne Winterkot Alm nenne. Rechts leicht versetzt über den Wirtschaftsweg geht es in Richtung Anstieg Jochberg. Hier haben Christian und ich ebenfalls bei massig Schnee schon einmal den Einstieg gesucht und nicht gefunden. Heute war gespurt. Ein Stückchen links wäre er gewesen. Für mich geht es heute hinein in die Kälte. Aber nicht weit. Ohne Eispickel geht hier nichts mehr. Ob mir Schuhe mit Spikes geholfen hätten, bezweifle ich. Hier unten schon alles spiegelglatt. Ich drehe um und mache mich auf in Richtung Jachenau Dorf.
Vor mir ein einsamer MTBler, kämpft sich durch den Schnee. Laufen geht gut. Bald verlasse ich den verschneiten Wirtschaftsweg und biege links ab auf einen Trail. Den erahne ich mehr als dass ich ihn sehe. Alles tief verschneit. Vier, fünf Mal hüpfe ich über die Kleine Laine, ein Gebirgsbach, dem ich folge. Die Steine sind trocken, kein Wasserkontakt. Gut so, denn es ist arschkalt in diesem Tal. Wäre hier nicht gespurt, würde ich mich wohl verlaufen.
Noch ein Stück schlängelt sich der Pfad dahin, dann erreiche ich wieder den Wirtschaftsweg. Erstmal trocken. Weiter unten schlittere ich auf Eis meinem Ziel entgegen. Mein Auto, geparkt unterhalb der Kirche. 2,00 Euro fürs ganztägige Parken. Na also, geht doch! Wenn Gemeinden wollen, dass nicht in den Orten geparkt werden soll, dürfen sie gerne etwas verlangen, nur nicht unverschämt viel. Der Trend geht leider vielerorts von 3,- auf 5,- Euronen. Waren mal 10 Mark. Hübscher Kaufkraftverlust!
Auch wenn es heute nur 15km und 750hm waren, es war schön hier und ein gelungener Auftakt. Tolle Trails und fantastische Panoramen.
Würde ich die Runde nochmal machen, liefe ich von der Kotalm wieder hoch aufs HHK und dann den Sonnenhang hinunter ins Dorf.
Bis bald: In the meantime: WIND ROSE - Wintersaga
Auch Zwerge vermögen Metal kunstvoll zu schmieden
|
|
|