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Trailrunning: Karwendel - Eng - Gamsjoch
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T R A I L R U N N I N G K A R W E N D E L - E N G - G A M S J O C H
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09.10.20 Fügung Winni
Vier Jahre nicht mehr im Karwendel gewesen – eine Ewigkeit. Für dieses Jahr dann fest vorgenommen. Die neue Falkenhütte besuchen und ein Stück rauf zum Steinfalk. Wäre da nicht die Begegnung mit den beiden sympathischen Damen letzte Woche auf dem Demeljoch gewesen, von der ich inzwischen weiß, dass es kein Zufall war. Denn wir sprachen auch übers Karwendel, übers Gamsjoch. Den 2438m hoch über dem Bergdorf Eng aufragenden Koloss, der nicht so schwierig sei, wie ich immer dachte.
So wurde aus einer fast verlorengegangenen Idee ein Verlangen.
Um 6 Uhr stehe ich auf. Um 6:45 fahre ich los, des Lichts wegen: Der Bergahorn noch im Schatten, die Bergkulisse entflammt. Um kurz nach 9 Uhr laufe ich bei 7 Grad in Sommerklamotten los. Angedacht war, die Abkürzung über das Kar zu nehmen, das allerdings hat Nachteile: Sehr steil. Schattig. Keine Aussicht. Keine Kilometer. Also den langen markierten Normalweg. ………………………………………………………………………………………. Hier die Etappen meiner heutigen 19km langen und mit 1450hm unterlegten Runde: Eng (1200m) – Hohljoch (1794m) – Gumpenjöchl (1974m) – Gamsjoch-Westgipfel (2438m) – runter gleicher Weg. Hier auf Brouter.de (mit vielen neuen Funktionen, z.B. Höhenschummerung) ……………………………………………………………………………………..
Im Dorf ein paar wenige Touris, die den Kommerzrummel nicht erwarten können. Urige Hütten mit schweren, sich automatisch öffnenden Glastüren. Die Dörfler selbst nicht zu sehen, schlafen vielleicht noch – auf Kopfkissen voller Geld. Ich passiere die letzten Häuser, beginne auf dem breiten Wanderweg (Adlerweg) den Aufstieg in Richtung Falkenhütte und lande bald in der Sonne auf einem ruppigen Trail. Hell leuchten die gelben und grünen Blätter der Bäume des Mischwaldes im flachen Licht des Tages.
Links drüben die Felswände, die mich noch lange Zeit begleiten werden. Das Erwähnen der einzelnen Gipfel erspare ich mir, da sie nur unter Kennern bekannt sind. Prominent dagegen die Laliderer Wände und der höchsten Gipfel des Karwendels, die Birkkarspitze mit ihren 2749m. Beides taucht nach und nach auf, je näher ich dem Hohljoch komme. Oben dann nicht das große Staunen wie 2014, als ich das erste Mal hier war, dennoch schön das Wiedersehen.
Hinter mir liegen 4km und 560hm. Der nächste Abschnitt ist der Grund für einige Wanderer, die beschwerliche Abkürzung über das Gumpenkar zu wählen, denn der Forstweg, erst in östliche, dann in nördliche Richtung bis kurz zu der Stelle, wo er auf die Abkürzung trifft, zieht sich auf 2,5 Kilometer ohne nennenswerte Auf und Abs, tendenziell sogar 90hm runter. Ich laufe los, begleitet von den bizarren Wänden des Hauptkarwendels, passiere bald den Lalidersalm Hochleger und sehe noch kein Ende des breiten Wegs. Dafür weit vor mir die hochaufragenden Lamsenspitze.
Dann eine Linkskurve und vor mir großes Kino: der freie Blick auf das wuchtige Gamsjochgebirge. Rechts in der Tiefe der Aufstieg über das Kar, links in steilem Gelände mein Pfad. Den nehme ich unter meine Füße, erst mal noch recht flott, da es hinunter geht. Dann aber wird es steil, sehr steil. Und es bleibt steil. Bis rauf zum Gumpenjöchl (1974m).
Vorbei an der Gumpenspitze erreiche ich nach insgesamt 7,5km das Jöchl und schaue hoch zum weiteren Wegverlauf. Sieht spannend aus. Ich hoffe, der Pfad führt nicht allzu nah an den Felsabbrüchen entlang, um später sicher runter laufen zu können. Überhaupt: auch wenn das Gamsjoch insgesamt felsig und steil aussieht, die Wegführung auf den Gipfel ist bis auf zwei unschwierige Kletterpassagen gut gewählt, so dass weite Strecken im Downhill gut zu laufen sind.
Noch ist es aber nicht so weit. Nach einer weiteren Linkskurve geht es in nordwestliche Richtung über mäßig steile Schrofen und Geröll weiter hinauf. Ich erreiche einen breiten, grasbewachsenen Rücken, und schraube mich mehr oder weniger weglos zum Gipfel empor. Weiter oben orientiere ich mich zur linken Kante hin und schaue hinüber zum Steinfalk und Mahnkopf, wo Christian und ich vor 4 Jahren unterwegs waren. Damals wie heute: phantastische Panoramen.
Nach insgesamt 9km erreiche ich den Westgipfel.(2438m). Vom Kompar aus habe ich aufs Gamsjoch geschaut, vom Mahnkop aus. Vom Hahnkampl. Und von der Eng aus – eigentlich immer, wenn ich im Karwendel war, ob seiner Omnipräsenz. Nur leider ist das Gamsjoch nix für mich, dachte ich immer. Und jetzt stehe ich hier, gucke in die Welt, bin überglücklich - und dankbar.
Zeit, um mich zu stärken. Und zu freuen: auf den Downhill. So sehr mir die Aussicht auch gefällt, zu lange verweile ich nicht, noch ist die Muskulatur warm. Ich reiße mich los und beginne in kurzen, kontrollierten Schritten den breiten, felsdurchsetzten Rücken in kleinen Kurven hinunter zu laufen.
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Ein paar schwierigere Stellen sind rasch passiert, und ich finde mich wieder auf einem picobello laufbaren Trail. Der spuckt mich am Gumpenjöchl aus und ich überlege, ob ich mich noch hinüber zur Falkenhütte aufmachen soll. Ein Stück laufe ich am Abzweiger nach rechts, weglos über eine Almwiese.Ich gucke irritiert. Nirgendwo ein Pfad zu sehen, auch weiter unten und in der Ferne nicht, obwohl da auf Karten ein Wanderweg eingezeichnet ist. Was ich aber sehe, ist, dass es noch hübsch weit hinunter ist ins Laliderertal, von wo aus ich hoch laufen müsste zur Hütte.
Ich drehe um und nehme links hinunter den steilen Trail unterhalb der Gumpenspitze in Angriff. Der spuckt mich aus auf dem Wirtschaftsweg, dem 2,5km langen Panoramaweg, der mich zum Hohljoch bringt. Der Trail hinunter in die Eng, ich glaube es kaum, ist technisch das schwierigste Stückchen meiner heutigen Gamsjoch-Runde. So kann man sich täuschen.
Also: Macht euch auf, rauf auf diesen tollen Berg und tollt euch aus.
Im Kommerzdorf Eng ist es eng geworden auf den Wegen, im Cafe ist kein Platz mehr frei und Muttis tollen mit ihren Kleinen auf dem Spielschatz herum, vielleicht, um sie von der Natur mit richtigen Abenteuern fernzuhalten. Um dem allen so schnell wie möglich zu entkommen, sause ich mit einer 4,5 Pace Slalom durchs Dorf zum Auto. In Ruhe löffel ich meinen selbstgemachten Quark mit Joghurt und mache mich auf nach Hause. Brrrrrrrrrrrrrrrrruuummmh! Ein dutzend verrückter Biker donnern an mir vorbei und verschwinden unsichtbar genauso schnell, wie sie gekommen waren.
Bis hoffentlich bald. In the meantime: Turnpike Troubadours – The Hard Way
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